Zivile Sicherheit ohne Überwachung

Meldung vom Di., 04. März 2014

Mehr Sicherheit im öffentlichen Raum ohne Einbuße von Privatsphäre oder Persönlichkeitsrechten. Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) zeigt auf der CeBIT 2014 (Halle 9, Stand E40), dass hier kein Widerspruch bestehen muss. Das Krisenmanagementsystem SAFEST erkennt mithilfe von Infrarotkameras kritische Situationen in Menschenansammlungen und führt bedrohte Personen zielgerichtet aus der Gefahrenzone. Dabei werden weder Bewegungsprofile erstellt noch persönliche Daten erfasst.

Dass Sicherheitssysteme in Flughäfen, Bahnhöfen und anderen hoch frequentierten öffentlichen Räumen nicht auf Videobilder oder personenbezogene Daten angewiesen sein müssen, zeigt das Smart-City-Institut FOKUS mit dem Gemeinschaftsprojekt SAFEST (Social-Area Framework for Early Security Triggers at Airports) auf der diesjährigen CeBIT. Zwei Kernkomponenten von SAFEST werden auf der Messe vorgestellt: ein Kamerasystem, das per Infrarot plötzliche Veränderungen und kritische Situationen in Menschenmengen zuverlässig erkennt, um bei Gefahr Massenpaniken zu verhindern. Und das Open Source Betriebssystem RIOT, mit dem Kleinstgeräte wie Lampen oder Sensoren vor Ort über standardisierte Funkschnittstellen in ein Evakuierungsleitsystem eingebunden werden können. Dabei wird SAFEST per Design dem Wunsch der Bevölkerung nach größtmöglicher ziviler Sicherheit gerecht, ohne personenbezogene Daten zu erfassen.

Wie funktioniert SAFEST?
SAFEST erkennt kritische Situationen in Menschenmengen. Geht in öffentlichen Räumen eine Gefahrenmeldung (z.B. Bombenalarm, Brand, Terrorwarnung) ein, müssen viele Personen so schnell wie möglich in Sicherheit gebracht werden, ohne dass es zu Massenpanik und Unfällen kommt. Die Infrarotkameras von SAFEST identifizieren kritische Ansammlungen und Unruhen in Menschenmengen und leiten diese Informationen zur Auswertung in eine Schaltzentrale weiter. Dabei werden die Menschen nicht individuell, sondern als Datenpunkte dargestellt – entscheidend sind ihre Verdichtung und ungewöhnliche Bewegungsmuster innerhalb der Gesamtsituation.

Geordnete Evakuierung durch Industrie 4.0
Mit der zweiten Systemkomponente wird versucht, die Personen möglichst geordnet in Sicherheit zu bringen. Die Open Source Software RIOT verbindet per Funkschnittstelle dafür vor Ort befindliche Kleinstgeräte (z.B. Glühbirnen oder Temperatursensoren) mit dem lokalen Frühwarnsystem und  verschlüsselt die Protokolle, damit die Daten nicht im Klartext übertragen werden. Sensoren können so beispielsweise übermäßige Hitzeentwicklung frühzeitig melden und Glühbirnen derart programmiert werden, dass sie bei Gefahr als Lichtkanal zum Ausgang weisen.

Besucher erleben auf der CeBIT erstmalig, wie SAFEST bei Gefahr ein Beleuchtungssystem aktiviert, das von einer Armbanduhr steuerbar ist. In Paniksituationen könnte so das Sicherheitspersonal vom Handgelenk aus eine großräumige Evakuierung einleiten.

Sicherheitsanweisungen per Smartphone
Außerdem ist es technologisch möglich, mit dem Krisenmanagementsystem Mobiltelefone als Wegweiser zu nutzen, ohne dass die eigenen Daten übertragen werden oder ein App-Download notwendig ist. Dafür wird im Gefahrenfall das örtliche WLAN freigegeben und abhängig vom aktuellen Access Point der passende Evakuierungsplan auf dem Smartphone bereitgestellt.

Die Entkopplung von persönlichen Daten ist hier Voraussetzung des „Privacy by Design“-Ansatzes von SAFEST. Soziologen, Ethiker und Juristen waren von Anfang an Teil des interdisziplinären Projekts, um die Akzeptanz und rechtliche Machbarkeit des Systems zu erhöhen. SAFEST wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Agence Nationale de la Recherche gefördert.

SAFEST ist nur eine von vielen Anwendungen der intelligenten Stadt der Zukunft, die das Smart-City-Institut Fraunhofer FOKUS auf der CeBIT zeigt. Unter dem Oberthema »Wir machen Städte schlau« werden außerdem folgende Exponate vorgestellt:

Kooperatives Government durch Crowdsourcing
Die App Tag.Check.Score bringt Bürger und öffentliche Einrichtungen als Kooperationspartner zusammen. Am Stand wird gezeigt, wie in Zusammenarbeit Kulturgüter von Museen und Bürgern schneller digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden können.

WiBACK – Internetanschluss für alle
Mit WiBACK können selbstverwaltete Drahtlos-Netzwerke einfach, kostengünstig und schnell in entlegenen Gebieten und bei Großveranstaltungen errichtet werden – von jedem für jeden.

Fraunhofer Innovationscluster „Next Generation ID“
Die Experten des Clusters präsentieren, welche Rolle sicheres Identitätsmanagement für die globalen gesellschaftlichen Megatrends unserer Zeit spielt und wie die Identity-Herausforderungen des digitalen Wandels gemeistert werden können.

SoFWIReD – Neue Internetservices mit Big und Open Data 
Das Gemeinschaftsprojekt der University of Southampton und des Fraunhofer IAIS zeigt am Themenbereich Big Data des Fraunhofer-Gemeinschaftsstands, wie Big Data und Open Data für bessere Dienstleistungen im Internet sorgen können.

FAMIUM – Multiscreen-Framework
Die Entwicklungsplattform FAMIUM ermöglicht smarte Kommunikation auf allen Geräten – Inhalte können in Echtzeit synchronisiert, zeitgleich abgespielt und gerätespezifisch angepasst werden.

Besuchen Sie Fraunhofer FOKUS auf der CeBIT
Wann: 10. bis 14. März 2014
Wo: Halle 9, Stand E40

Journalistenrundgänge und individuelle Gesprächstermine
Kontakt:
Karolin Freiberger (Siehe Info Box, rechts)
Weitere FOKUS-Beteiligungen auf anderen Ständen

Stand der Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik, Halle 7, Stand A58:
P23R auf dem Weg in den Wirkbetrieb
Das P23R-Prinzip wurde entwickelt, um staatlich veranlasste Meldepflichten effizient, transparent und sicher zu gestalten. Anfang  2014 hat die sukzessive Umsetzung im Wirkbetrieb begonnen. Fraunhofer FOKUS präsentiert das P23R-Entwicklerportal, das die komfortable Entwicklung von P23R-Benachrichtigungsregeln ermöglicht. BMI und weitere Projektpartner informieren über den aktuellen Projektstatus, das laufende Umsetzungsvorhaben im Erprobungsraum der Metropolregion Rhein-Neckar sowie über die künftige Schwerpunktsetzung.

Der ÖFIT-Trendexplorer macht die möglichen Zukünfte öffentlicher IT erlebbar. Besucher können mit der ÖFIT-Trendschau einen Blick in die Zukunft werfen. Darüber hinaus werden am Messestand Themen der digitalen Agenda vorgestellt.

Das ÖFIT-Trendrad stellt in spielerischer Form Themenfelder von heute und morgen vor. Besucher erfahren nach Betätigung des Rads, relevante Kennzahlen zu interessanten Themen öffentlicher IT.

Stand des Bundesministeriums für Wirtschaft u. Energie/ Halle 9, Stand E24; Stand des IT-Planungsrates/ Halle 7, Stand B42; Stand des IT-Dienstleistungszentrums Berlin/ Halle 7, B05:
goBerlin entwickelt einen Dienstemarktplatz, auf dem von Fachdienstanbietern erbrachte Dienstleistungen durch „Apps“ an Bürger vermittelt werden. Das Exponat zeigt den goBerlin-Dienstemarktplatz aus Sicht von Bürgern und App-Entwicklern.

Konferenzbeteiligung FAME: 12. März/ Halle 9, Stand F44/ Future Talk
FIContent – Driving innovation at the crossroads of content, media, networks & creativity: FIContent und FI-Ware ko-organisieren die Konferenz »Future Internet PPP: Open Platform for Entrepreneurs in Europe«.