Neue Studie zu Public Innovation

Meldung vom Mi., 31. Oktober 2012

Berlin, 31. Oktober 2012 Sind deutsche Verwaltungen zu wenig innovativ? Forscher bei Fraunhofer FOKUS haben die Innovationskraft öffentlicher Verwaltungen in einem Deutschland-Europa-Vergleich analysiert. Die Ergebnisse wurden nun in einer Studie publiziert.
Sind deutsche Verwaltungen zu wenig innovativ? Forscher bei Fraunhofer FOKUS haben die Innovationskraft öffentlicher Verwaltungen in einem Deutschland-Europa-Vergleich analysiert. Die Ergebnisse wurden nun in einer Studie publiziert.

Innovationen haben eine große Bedeutung für Wachstum und Wohlfahrt hochindustrialisierter Länder, wie es die Bundesrepublik Deutschland ist. Die Fähigkeit, kontinuierlich Innovationen hervorzubringen, die helfen neue Märkte zu erschließen oder die Produktivität zu erhöhen, um in bestehenden Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben, stellt einen Schlüssel zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit eines Standorts dar. Im Standortwettbewerb erhält aber nicht nur die Begleitung, Stimulierung und Beauftragung von Innovationen im privaten Sektor durch staatliche Aktivitäten, sondern auch die Innovationsorientierung der öffentlichen Hand selbst immer größeres Gewicht.

Die nun auf Basis von Selbsteinschätzungen öffentlicher Verwaltungen in Europa durchgeführte Analyse zeigt, dass in Deutschland diverse positive Wirkungen aus Innovationen im öffentlichen Sektor resultieren. Hierzu gehören unter anderem bessere Informationszugänge und eine höhere Kundenzufriedenheit durch Dienstleistungsinnovationen sowie eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit, schnellere Leistungserbringung und Kosteneinsparungen durch Prozessinnovationen.

Ungeachtet dieser Vorteile lag der Prozentsatz innovativer staatlicher Einrichtungen während des Untersuchungszeitraums in Deutschland merklich unter dem europäischen Durchschnitt. In Deutschland werden von 54,3 %, in Europa von 68,7 % der öffentlichen Verwaltungen Dienstleistungsinnovationen berichtet. Prozessinnovationen weisen 75,3 % der öffentlichen Verwaltungen in Deutschland im Vergleich zu 82,0 % der öffentlichen Verwaltungen in Europa aus.

Besonders bemerkenswert sind diese Ergebnisse, da Deutschland bei den Innovationshürden deutlich unterhalb des europäischen Durchschnitts liegt, so dass dem öffentlichen Sektor in Deutschland Innovationen eigentlich leichter fallen sollten als dem europäischen Durchschnitt.

Hinsichtlich des relativen Rückstandes des öffentlichen Sektors in Deutschland gegenüber den anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind aber absehbar keine Änderungen zu erwarten. Dies zeigt sich an zwei Indikatoren. Die Wirkungen einschlägiger Innovationstreiber, wie z.B. neue Gesetze und Verordnungen, werden für die nahe Zukunft in Deutschland durchweg als weniger bedeutsam eingestuft. Analog hierzu wird auch eine deutlich geringere Innovationsneigung in den öffentlichen Verwaltungen erwartet.