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Open-Data-Portal für Europa geht als Beta-Version online

Meldung vom Do., 19. November 2015

Ab sofort steht das Europäische Datenportal in einer Testversion zur Verfügung. Es umfasst aktuell über 250.000 Datensätze aus 34 europäischen Ländern. Wesentliche technische Komponenten, zum Beispiel zum Auffinden neuer Datensätze und zur komfortablen Weiterverwendung der Daten, kommen aus Deutschland: von Fraunhofer FOKUS.

Sowohl die Bereitstellung als auch die Weiterverwendung von offenen Verwaltungsdaten geschieht derzeit noch zaghaft. Das Potenzial ist jedoch hoch: Auf rund 325 Milliarden Euro schätzt Capgemini Consulting in einer gerade veröffentlichten Studie das Marktvolumen für Open Data von 2016 bis 2020 in Europa. Um dies zu erreichen, ist sowohl ein einfacher Zugang zu als auch eine komfortable Weiterverwendung von Open Data notwendig. Mit dem Start der Beta-Version des europäischen Datenportals beabsichtigt die EU, die Nutzung von Open Data für Bürger, Journalisten, Unternehmen und Verwaltungsorgane zu erleichtern. 

Fraunhofer FOKUS stellt als einer der hauptverantwortlichen technischen Partner verschiedene Kernkomponenten zur Verfügung und bringt dabei seine umfangreichen Erfahrungen aus der Entwicklung nationaler und behördenübergreifender Open-Data-Portale ein. Das Herz des Portals bilden sogenannte Harvesting-Mechanismen, die erstmals in so großem Umfang eingesetzt werden. Sie durchforsten die Datenbanken der Mitgliedsstaaten regelmäßig nach offenen Datensätzen und binden diese in das europäische Datenportal ein. FOKUS setzt hierbei auf eine eigene Implementierung, die mit einer Bedienoberfläche gesteuert werden kann, so dass, im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren, keine Programmierkenntnisse notwendig sind. 

Eine weitere zentrale Komponente ist das Datenregister. Mit Hilfe des Registers werden die offenen Daten im Portal einheitlich beschrieben und verzeichnet. Das Register wird auf Basis der Open-Source-Lösung CKAN umgesetzt, die bereits bei vielen anderen nationalen Open-Data-Portalen zum Einsatz kommt. CKAN wird dabei um wesentliche Teile erweitert, die beispielsweise eine mehrsprachige Suche ermöglichen oder die Suche um geographische Funktionen ergänzen.

Das europäische Datenportal bietet seine Metadaten auch als Linked Data an. Das sind Daten, welche eindeutig per »Uniform Resource Identifier« (URI) identifizierbar und über das Web abrufbar sind. Sie bilden einen Teil des semantischen Webs. Da die Abfrage von Linked Data bisher eher versierten Nutzern vorbehalten ist, hat FOKUS einen Assistenten entwickelt, der auch Laien den Einstieg in die Welt der semantischen Daten erleichtern soll. Zukünftig sollen Anfragen an semantische Daten gespeichert und Nutzer über Änderungen informiert werden. 

Für die kontinuierlichere Verbesserung der auf dem Portal veröffentlichten Metadaten wurde ein Instrument entwickelt, das Abweichungen der Metadaten vom DCAT-AP-Schema – einer Spezifikation für Datenportale in Europa – dokumentiert und den datenverantwortlichen Stellen einen Fehlerreport zur Verfügung stellt.

Darüber hinaus haben die FOKUS-Forscher mit einem juristischen Partner einen Lizenz-Assistenten für das Portal erstellt. Mit dem Lizenz-Assistenten erhalten Nutzer zu jedem Datensatz einfach aufbereitete rechtliche Hintergrundinformationen. Nutzer ersparen sich so lange Recherchen. Auch für die Anbieterseite wird es einfacher: Der Lizenz-Assistent macht anhand weniger Parameter Vorschläge für offene Lizenzen, die direkt an den Datensatz angefügt werden können. 

Dr. Matthias Flügge, Leiter des Kompetenzzentrums Digital Public Services bei Fraunhofer FOKUS, zum Start des Portals: »Wir sind gespannt auf die ersten Erfahrungen der Nutzer im Live-Betrieb. Im Frühjahr 2016 soll die Testphase abgeschlossen sein. Langfristiges Ziel ist es, im Portal Open Data aus bis zu 39 europäischen Staaten zur Verfügung zu stellen. Um den Zugang weiter zu erleichtern, werden wir die Mehrsprachigkeit weiter ausbauen. Insgesamt soll das Portal in 24 Sprachen übersetzt werden. Momentan steht das Portal in deutscher, englischer und französischer Sprache zur Verfügung.«

Geleitet wird das dreijährige Projekt von der Capgemini Consulting. Weitere Partner sind Sogeti, Intrasoft International, das Open Data Institute, con terra, die University of Southampton und time.lex.